Drehst'n Deckel e.V. - Ultimate Frisbee in Dresden

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Artikel in der Sächsischen Zeitung

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Viele haben es ja schon gelesen, aber damit alle anderen nicht außen vor bleiben ...


 

Gekonnt drehende Deckel werfen
Von Theresia Schneider

Frisbeespielen hat nichts mit Sport zu tun? Der Verein Drehst’n Deckel wirft scheibenweise starke Gegenbeweise.

Es ist um sechs. Eine einsame Frisbeescheibe fliegt durch die Sonne, mehrere Leute sitzen noch auf der Wiese. Dass Frisbeespielen wirklich ein bewegender Mannschaftssport sein soll, ist nicht erkennbar. Auch nicht, als sich die Spieler gemächlich erheben und das weiße Plastikteil durch die Gegend fliegt.

Thomas Weiße ist in diesem Monat der Trainer und erklärt die allgemeinen Grundwurfarten: Vorhand und Rückhand.

Der Rückhandwurf ist das, was die meisten Wald- und Wiesenwerfer einigermaßen drauf haben. Also Scheibe leicht eingedreht in die Hand nehmen und ruckartig wegschleudern. Besser fliegt der Deckel allerdings, wenn man dabei noch im Stemmschritt posiert und richtig ausholt.

Wichtig: Ziel anschauen

Die Vorhand hingegen bereitet dem Noch-nicht-so-Könner arge Probleme. „Dabei nimmt man drei Finger in den Scheibenrand und schnippt den Deckel einfach weg, wenn man ausholt“, erklärt Thomas. Einfach? Für Profis bestimmt. Zum Glück gibt der 27-Jährige noch einen machbaren Tipp: „Wichtig ist auch, dort hinzuschauen, wo die Frisbeescheibe hingehen soll.“

 Langsam füllt sich das Feld. Wird auch Zeit, schließlich sind im Verein Drehst’n Deckel ungefähr dreißig aktive Mitglieder. Die meisten kennen den Verein über die TU. Dort wird Ultimate Frisbee als Semestersport angeboten. Hat das Wurf- und Fangfieber allerdings erstmal härter zugepackt, wollen es viele lieber in einer anspruchsvolleren Praxis auskurieren. Mateus Ploch spielt seit ungefähr sieben Jahren Frisbee. Als der 26-Jährige nach Dresden zog, wuchs er flink aus dem Unisportniveau raus. So kam er zu dem Verein. „Das Tolle am Frisbeespielen ist, dass alle Leute so nett sind.“ Die Nichtspieler bezweifeln allerdings oft, dass Frisbee ein Sport ist. „Solche Leute sollen einfach mal bei unserem Training mitmachen. Da merken die schon, dass das Sport ist“, sagt Mateus grinsend.

Inzwischen ist es halb sieben. Trainer Thomas ruft einmal „Warmlaufen“ und munter fangen alle damit an. Ein paar Runden rennen, Kniehebelauf, hohe Sprünge, anfersen und noch dehnen. Die Erwärmung ist vielen anderen Sportarten damit sehr ähnlich.

Jetzt kommt das weiße Plastik wieder ins Spiel. Zweiergruppen fegen im Kreis umher und probieren Wurftechniken aus. Nach zwei weiteren Übungen ziehen die Spieler neckische Hemdchen über und begeben sich in Position. Die Frisbeescheibe surrt von der einen Spielfeldhälfte in die andere. Rot fängt, es geht los. Den Überblick zu behalten, fällt schwer. Die Scheibe landet auf der Wiese. Sofort geht es in die andere Richtung weiter.

Richtig: Zone erreichen

Das Ziel? Die Erklärung folgt auf den Wurf: Auf dem Spielfeld gibt es auf beiden Seiten eine abgegrenzte Zone, in die der Frisbeedeckel durch Zuwerfen hingespielt werden muss. Wie Rugby quasi, nur schöner, ohne Blut und blaue Augen. Denn die Spieler dürfen sich nicht berühren. Passiert doch mal etwas, schlichten die Teams selbst – ein Schiedsrichter ist nicht nötig.


Das Lockere mag auch Sabrina Mittag. Sie ist mit 18 Jahren die Jüngste beim Drehst’n Deckel. „Wenn wir auf Turniere fahren, ist die Stimmung immer besonders toll. Dort geht es natürlich auch ums Gewinnen, aber gerade der Spaß ist sehr wichtig.“ Sabrina hat in den nächsten Tagen ihre Abiprüfungen, nimmt sich für den Verein trotzdem Zeit. Irgendetwas muss also dran sein am Frisbeespielen.

Sächsische Zeitung 04.05.2007

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. Mai 2007 um 19:14 Uhr