Drehst'n Deckel e.V. - Ultimate Frisbee in Dresden

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Nachlese Outdoor Mixed DM 05 in Leipzig

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Wem sollen wir böse sein? Den Nerven, dem Regen, dem durchkreuzten Spielplan?Zuallererst dürfen wir uns freuen, dass wir noch ein Frisbeewochenende geschenkt bekommen haben. 2005 ist so plötzlich zu Ende. Die Blätter werden gelb und rot, wo wir doch eben noch auf die Entfaltung des Sommers warteten, des späten Sommers. Das letzte Outdoor-Turnier 2005 ist die mixed DM. Und die findet in ungewohnter Nähe statt, in Leipzig in den Auewiesen, vom 1-3.Oktober. Als wir Samstag morgens um 10Uhr starten, können wir keinesfalls allen Ernstes glauben, dass wir zur DM fahren. Wann hat es das schon gegeben, dass wir von unserm Ende der Republik nach Frisbeedeutschland aufbrechen, während schon die ersten Spiele eines Turniers laufen. Und darüber hinaus, das soll auch noch eine Deutsche Meisterschaft werden. Noch scheint die Sonne, noch träumen wir in den Tag. Dabei wissen wir, dass es heute am ersten Tag sehr schwer werden wird. Colorado aus Karlsruhe waren Dritte bei der Klub-EM in Rostock und auch die Heidees aus HD waren immer ein schwerer Gegner. Colorado, so wird mir Tage später erst eröffnet, ist die farbenfrohe (weiblich beherrschte) Abwandlung des maskulin dominierten (Haribo) Gummibärchens. Die erste Halbzeit ist dem einen kurz-, dem Betrachter langweilig, auf jeden Fall ist sie verregnet und verhagelt uns die Sommer-Laune. Mit 0:7 schicken sie uns in die Kabine bzw. unter unser Bierzelt. Woran es auch gelegen haben mag, von der Halbzeit kommen wir besser weg, verlieren sie nur knapp 5:6. Nach der kalten Dusche müssen wir uns warm halten, ein Spiel Pause und dann gilt es zu gewinnen, wenn wir weiter oben mitspielen wollen. Für Katharina, unsere Teampsychologin aus dem ehemals paradiesischen Jena und nun Heidelbergerin, heißt es, Position zu beziehen. Wir haben auch einen guten Start, liegen mit 3:1 vorn und sind auch mit 4 Turns auf jeder Seite nicht aus dem Konzept gebracht. Trotzdem verdaddeln wir den einen um den andern Punkt. Mit einer bei dem kalten Regen kaum für möglich gehaltenen Vorhand leitet der neue Heidelberger Spielmacher beim 6:6 unseren Untergang ein. Bis zum 8:8 hält die Waage noch die Waagerechte, doch dann kippt das Glück und wir verlieren die Nerven wie das Spiel.Das die Dusche nicht warm wird ist verzeihlich, unter den kräftigen Händen einer Masseuse. Oder doch erst beim Mousse au Chocolat. Leipzigs Westen ist nicht sonderlich repräsentativ aber unser Restaurant „La Locanda“ ist es wohl. Wer in der Nacht zur Toilette musste, holte sich auf dem völlig durchweichten Platz schlammige Füße. Keine guten Aussichten auf einen nächsten Spieltag. Ahnungsvoll schauen sich am nächsten Morgen die Frühaufsteher an. Nach dem Frühstück wird die Entscheidung getroffen, erstmal keine Entscheidung zu treffen. Wenn die Sonne schiene und ein warmer Wind aufkäme, dann wäre vielleicht unter Umständen zu hoffen. Die Stunden gehen vorüber mit DDC und Flubbern und einem außergewöhnlich  guten Cateiring-Frühstückchen. Was langsam klar wird ist, dass es Änderungen am Spielplan geben muß, um in den drei Tagen fertig zu werden.Dann qualmt ein weißer Rauch aus der Gerüchteküche. Man hätte einen neuen Platz ausfindig gemacht- im Süden. Eine Karavane setzt sich in Bewegung zur Küchenholzwiese. Und siehe da, binnen kurzem bevölkert eine bunte Frisbeeschar diese wirklich große Wiese in einem Park, ungläubig noch, dass man so aus dem nichts einen neuen Platz gefunden, der die Mixed DM aufnehmen kann. Später macht die Geschichte die Runde, dass jemand von den Leipzigern beim Grünflächenamt angerufen hätte, ob es ok sei, wenn man da ein bisschen Frisbee spielen würde, gleich vorn rechts auf der Wiese.Da wir Dresdener ein Mitspielrecht einklagen, eröffnet man ein sechstes Feld in Folge, gleich ganz hinten rechts auf der Wiese. Unser erstes Spiel des Tages, ähnlich spät, wie am Tag zuvor, geht gegen Halle2. Schnell ist die Halbzeit erreicht, mit 7:0 sehr deutlich, und auch wenn wir noch ein paar Punkte abgeben, geht das Spiel recht eindeutig zu unseren Gunsten aus. Das nächste Spiel wird wieder etwas spannender. Die Kühe aus Koblenz sind alt vertraute Gegner, die wir aber mit einer Frontaldeckung sehr vor den Kopf stoßen. Auch das Spiel geht deutlich für uns aus und erstmals auf dem Turnier haben wir das Gefühl, dass es eine reife Mannschaftsleistung gewesen ist, die uns zum Erfolg und Spaß am Spiel verhalf. Leider muss die gute Laune an der Stelle auch einen Dämpfer hinnehmen, es wird klar, dass es keine Kreuzspiele, die uns einzig aus dem Verlierer-Pool hätten helfen können, geben würde. Damit ist unsere beste Platzierung, wie auch immer, der 17.te Platz. Am Abend soll es eine Party mit Tanzen geben. Nach der Sauna am Zeltplatz laufen die Dresdener jedoch auseinander, so dass es für unser Team auch keine ausgelassene Party geben wird. Ungewohnt die Ansicht, dass Halle den Tanzreigen eröffnet. Einen großen Auftritt hat auch Disco-Fever aus Augsburg, die mit ihren niegelnagelneuen Trainingsanzügen prima zur Diskomucke passen, in grün-gelb, Hosen mit Schlag und Sonnenbrillen by night.Am dritten Morgen fuhren wir wieder auf unser Behelfsgelände und waren grausam mit den Hannoveranern, 13:0 und aus. Dann noch ein letztes Spiel gegen die Airpussies, die lange nicht mehr mit soviel Jungs, wie bei dieser Mixed DM antraten. Wir versuchen es weiter mit unserer frontalen Defense und in der Defensive gewinnen wir auch das Spiel. Die Outdoorsaison wird mit einem schönen Sprint von Robert übers halbe Feld abgeschlossen. Es ist ein bisschen seltsam, nach soviel gewonnenen Spielen mit soviel gemischtem Gefühl vom Platz zu gehen. Mixed DM with mixed feelings. Wir haben schon besser zusammen gespielt und es ward in Folge dessen oder mangels Glück mit Ehr gegeizt. Das zanfige Dresden waren Mümi, Matfin, Kati, Robbi, Nicco, Dani, Mersemann, Katharina, Madrid, Magalie, Henrick. Es gibt kein Mannschaftsbild, meine Kamera war nass.

Das Endspiel wurde von den TIBsen aus Berlin gegen die reifen Spechte aus Sauerlauch bestritten. Es bot alles, was man von so einem Endspiel erwarten kann, eine souveräne Anfangsvorstellung der alten Hasen, ein sagenhaftes Comeback der Berliner, die mit Spielfreude und einem sehr gut aufgelegten Phillis eine egalisierte Halbzeit schafften. Danach gingen sie sogar gut in Führung und führten 12:10, bevor auch ihnen die Nerven flatterten. Der graue Gunther machte in der Defense alles zu, fischte in der Offense Scheiben vom Himmel und wechselte das Spielglück zugunsten der Woodpecker. Oans, zwoa, gsuffa. Die Frisbeewelt stand wieder mal auf dem Kopf und der gesunden Lebensführung des Spartaners wurde Hohn gesprochen.

Carsten
Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 23. Juni 2007 um 22:18 Uhr